Unsere Götter
Die wichtigsten Hinweise über die Götter lassen sich einerseits sicher in alten Quellen (Edda, Merseburger Zaubersprüche etc.) finden, andererseits sind auch alte Bräuche und Sagen in dieser Hinsicht aufschlussreich. Vieles heidnische hat die Jahrhunderte in ganz Europa überdauert, teils umgedeutet, teils erhalten in alten Ritualen, Namen, Bräuchen und Geschichten.
Wir möchten bewusst nicht zwischen kontinentalgermanischem und nordisch-germanischen Asatru trennen. Die Götter mögen in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Namen besessen haben, doch sind es die gleichen Götter.
Alle Quellen und Bräuche sind für uns von Interesse, auch wenn die lokalen unser besonderes Interesse finden. Letztlich versuchen wir nicht einen heidnischen Glauben nachzuahmen, der schon vor vielen Jahrhunderten von der Bildfläche verschwand.
Die Götter sind noch immer dieselben, wir sind als moderne Menschen in mancher Hinsicht etwas anders als unsere Vorfahren. So entwickelt sich auch unser Glaube.
Wotan/Odin
Nicht nur die Edda erzählt uns von Ihm, sondern auch alt her überlieferte Sagen und Geschichten. Odin ist eine vielschichtige Gottheit mit vielen Facetten und Gesichtern. "Wodan id est furor " so berichtete einst der Missionar Adam von Bremen. Übersetzt wird das oft als "Odin ist Wut". Einen ähnlichen Begriff "furore machen" gibt es noch im heutigen Gebrauch. Wikipedia meint dazu :"Die Ableitung des italienischen Ausdrucks Furore für rasenden Beifall sowie Leidenschaftlichkeit wird im Zusammenhang mit Furore machen als großes Aufsehen erregen und Beifall erringen definiert." Wir würden es dann (unwissenschaftlich) auch so übersetzen "Odin ist Ekstase".
Er verfolgt kompromisslos sein Ziel, und fordert viel von denen die Ihm folgen. Auf der Suche nach Erkenntnis opfert er sein Auge für einen Schluck aus Mirmirs Brunnen der Weisheit. Mehr noch - er hängt sich 9 Tage und Nächte an den Weltenbaum, opfert sich letztlich mit dem Speer selbst, und findet so die Runen.
Er ist als einziger männlicher Gott als zauberkundig bekannt . Von Freya laesst er sich die Seidh - Kunst lehren.
Er ist der Gott, der vor der Schlacht um den Sieg angerufen wurde.
Aber ebenso ist er der Gott der Poesie. Er entführt den Odrörir, den Dichtermet. Der Legende nach wurde derjenige der davon trank zum Dichter.
Als Sturmgott wird über Ihn auch aus der Schweiz als Anführer des Wuotisheers (der wilden Jagd) berichtet.
Als einsamer Wanderer zieht er durch Mittgard, die Welt der Menschen.
Seine über 150 bekannten Namen geben Ausdruck seiner Vielschichtigkeit.
Frigga/Frigg
Sie ist die Gemahlin Odins und bietet in den Mythen als mächtigste der Asinnen selbst Odin die Stirn. So in der Sage um die Namensgebung der Langobarden, in der sie Ihren Gatten überlistet, und so den Langobarden den Sieg schenkt, den Odin für die Gegner vorgesehen hatte. Sie ist Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft.
Donar/Thor
Der Donnerer, Wettergott und Beschützer der Bauern und des einfachen Volkes. Indem er mit seinem Hammer gegen Riesen streitet, hält er das empfindliche Gleichgewicht der Natur in der Waage. Er ist aufgrund dessen einer der populärsten Götter.
Nicht umsonst ist sein Hammer eines der wichtigsten Symbole unseres Glaubens. Im südgermanischen Raum findet man oft in weiblichen Gräbern die Donarskeule als Grabbeigabe.
Ziu/Tyr
Bei Mittel und Südgermanen heisst er Ziu, Tsiu althochdeutsch Teiwaz oder Tiwaz.
Tacitus berichtet, dass Pferde ihm geopfert wurden. Tapferster und kühnster unter den Asen, Gott des Krieges und des Zweikampfes wird er genannt. Bei den Südgermanen, besonders bei den Alemannen war er der wichtigste Gott. Er legt als Pfand seine Hand in Fenrirs Maul, damit der Wolf gefesselt werden kann, die ihm daraufhin abgebissen wird. Die Einarmigkeit lässt sich auch bei anderen Göttern des Rechts feststellen.
Der lokale Name des Dienstag - der Ziischtig, macht uns heute noch deutlich, dass dieser Tag Ziu gewidmet ist. Er gilt als Beschützer des Things ( der Stammesversammlung ). Er legt als Pfand seine Hand in Fenrirs Maul, damit der Wolf gefesselt werden kann, die ihm daraufhin abgebissen wird. Durch sein Opfer der Hand, gibt er Gemeinschaft die Möglichkeit die Gefahr, die von einem freien Fenrirswolf ausgeht, zu bannen.
Balder/Baldur
Sohn Odins und Frigg. Er steht für Reinheit, Licht, Schönheit und Güte. Baldur gilt als Odins und Friggas Lieblingssohn.
In der Mythologie täuscht der listige Loki Baldurs blinden Bruder Hödur und erreicht so dass Hödur Balder tötet. Hermod versucht vergelblich ihn aus dem Totenreich von Hel zurückzuholen. Doch kehrt Baldur nach Ragnarök zurück, und läutet mit den anderen Überlebenden ein goldenes Zeitalter ein. Da Baldur auch für die Sonne steht, symbolisiert sein Schicksal den Jahreskreis - den ewigen Zyklus von Tod und Wiedergeburt. Baldur ist ausser in der Edda auch in den Merseburger Zaubersprüchen belegt.
Freya
Einige schweizer Sagengestalten werden mit Ihr in Verbindung gebracht, so z.B. die Sträggele, die als "Nachfolgerin der Freya" in Erzählungen bis heute überlebt hat. Die Römer setzten sie mit Ihrer Göttin Venus gleich. Der berauschende Hanf galt als Ihre Pflanze. Sie ist aber weit mehr als die Göttin der Liebe und Sehnsucht. Sie lehrt Odin Magie und besitzt als Oberste der Walküren auch kämpferische Aspekte. In so mancher Hinsicht können bei Freya Parallelen zu Wotan gesehen werden.
Freyr
«Freyr» (altnord. «Herr») ist der Gott der Fruchtbarkeit. Er beherrscht Regen und Sonnenschein. Damit ist er entscheidend für die Ernte und einer der wichtigsten Götter in der germanischen Mythologie, gleich nach Odin und Thor. Freyr besitzt ein Schiff «Skiblaðnir» das immer guten Wind hat und sich wie ein Tuch zusammenlegen lässt. Er reitet auch auf dem Eber «Gullinborsti» (altnord., «Der mit den goldenen Borsten») der schneller als jedes Pferd ist und seine goldenen Borsten glänzen so hell, dass es bei ihm nie dunkel ist.
Loki
Loki ist ein sehr interessanter und wohl auch alter Gott. Eigentlich ist er ein Riese, der als Blutsbruder Odins in Asgard lebt. Man nennt ihn auch «Den Listenreichen». Er ist sehr gut darin die Worte zu verdrehen und ist ein Gestaltenwandler. Er kann sogar das Geschlecht ändern, wenn es sein muss. Lokis ist der Vater der gefährlichen Ungeheuer «Fenriswolf» und «Midgardschlange». Auch Hel die Totengöttin ist seine Tochter oder Odins Pferd Sleipnir. Es gibt nicht nur Negatives über Loki zu berichten. Loki bringt, um seine Haut zu retten, wichtige Geschenke zu den Göttern. Thors Hammer, Freyrs goldenen Eber, Odins Speer sind Dinge, die er von den Zwergen mitbringt. Nur mit Worten schafft er es sie zu überzeugen für ihn zu arbeiten. Odins Pferd Sleipnir ist das Ergebnis eines Ablenkungsmanövers. Als die Götter eine Wette mit dem Riesenbaumeister eingehen schafft er es, dass die Wette nicht verloren wird. Er lenkt das mächtige Arbeitspferd «Svadilfari» (altnord., «Der eine unglückliche Fahrt Machende») des «Riesenbaumeisters» ab. Er verwandelt sich in eine schöne Stute und einige Zeit später gebiert er Odins Pferd «Sleipnir» (altnord. «der Dahingleitende»). Er ist jedoch auch verantwortlich dafür das Balder, der beliebteste aller Götter, den Tod findet und darum wird er übel bestraft. Deswegen schwört er Rache und ist am Ende bei Ragnarök der letzten Schlacht als Gegner der Götter auf dem Schlachtfeld. Es gab wohl keinen Kult um Loki bei den Germanen, jedoch gibt es aussergewöhnlich viele Geschichten der Götter, in denen er eine wichtige Rolle spielt.
Hel
Hel ist einerseits der Name für das Totenreich und eine der 9 Welten. Doch Hel ist auch der Name der Göttin des Totenreichs, um die es jetzt geht. Hel ist die Tochter von Loki und der Riesin «Angrboða» (altnor. «die Kummer Bereitende»). Hel ist zu einer Hälfte schwarz, alt und tierhaft, und zur anderen Hälfte weiss, bleich, jung und menschlich. Zur Hel zu fahren ist nichts Schlimmes, alle welche nicht ertrunken oder in der Schlacht gestorben sind kommen zur Hel. So auch Balder. Hel ist nicht ein Ort der Verdammnis, wo man Qualen leiden muss. Trotzdem kann man sich wahrscheinlich schönere Orte vorstellen. Zu Ragnarök öffnet sich die Erde im Norden und Hel kommt mit ihrer Armee der Toten aus der Unterwelt zurück.
Asen & Wanen
Die uns bekannten Götter und Göttinnen stammen von dem Götter-Geschlecht der Asen (æsir, áss, ēse) und dem der Wanen (vanir, vanr). Deshalb reden Asatruar oft nicht nur von “den Göttern” sondern auch von den “Asen und Wanen”.
Darauf bezieht sich auch die, in manchen neuheidnischen Kreisen, gängige Grussformel:
Asa(heill) og vana
oder auch: Ich wünsche dir
Asenheil und Vanensegen 🙏🏻